nacken-und-schulterschmerzen-1.2

Nacken- und Schulterschmerzen

Wer kennt es nicht? Man steht morgens auf. Der Nacken fühlt sich total steif an. Die kleinsten Kopfbewegungen tun weh. Gehören Sie vielleicht zu den Menschen, die bei Durchzug oder Kälte häufig Nacken- und Schulterschmerzen bekommen? Oder müssen Sie vielleicht tagtäglich stundenlang auf einen Bildschirm schauen und tendieren daher zu einem verspannten Nacken, der sich hart wie Stein anfühlt?

Woher kommen Nacken- und Schulterschmerzen?

Es gibt viele Gründe, warum es zu Nacken- und Schulterschmerzen kommen kann. Oft sind Verspannungen der Muskulatur dafür verantwortlich. Sie können plötzlich auftreten, wenn wir z. B. eine ungewohnte Position eingenommen haben. Es kann auch von einer Erkältung oder vom Durchzug kommen. Auch, wenn man für längere Zeit unter Stress steht, kann die innere Anspannung zu Nackenschmerzen führen. Werden die Schmerzen chronisch, dann liegt oft eine Fehlhaltung zugrunde. Das ständige Herunterschauen auf das Handy oder eine monotone Körperhaltung auf der Arbeit können Gründe dafür sein. Selten gibt es auch ganz spezifische Ursachen, z. B. einen Unfall, Schleudertrauma oder einen Bandscheibenvorfall genauso wie Arthrose. Manchmal sind es auch Entzündungen, rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Fehlstellungen der Wirbelsäule oder neurologische Erkrankungen.

Man sollte Nacken- und Schulterschmerzen keineswegs unter den Teppich kehren

Man sollte Nacken- und Schulterschmerzen nicht ignorieren. Durch ständige Schmerzen laufen wir Gefahr eine dauerhafte Schonhaltung einzunehmen. Das führt dazu, dass unsere Muskeln unbeweglicher werden, sich verkürzen und verhärten. Das Gewebe wird schlechter durchblutet und wird daher auch nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Im Alltag fällt es uns dann plötzlich schwer, uns die Haare zu kämmen oder im Auto über die Schulter nach hinten zu schauen. Wir werden insgesamt unbeweglicher.

Ausserdem schleichen sich häufig auch Beschwerden ein, von denen man auf den ersten Blick gar nicht weiss, woher sie kommen. Dabei kommt es ganz oft vor, dass eine Migräne, Kopfschmerzen oder Kribbeln in den Händen tatsächlich von Verspannungen im Nacken oder in der Schulter kommen.

Wo genau liegt der Schmerz und wie deutet es die TCM?

Die folgende Tabelle zeigt, welche Meridiane bei Nackenschmerzen betroffen sein können.

Eingeschränkte Bewegung des Nackens Betroffene Meridiane
Seitwärtsbewegung – Beugung des Kopfes zu den Schultern Gallenblasen-, Dickdarm-Meridian
Seitliche Drehbewegung – Drehung des Kopfes nach rechts oder links zu den Schultern Gallenblasen-Meridian
Vorwärtsneigung – Beugung des Kopfes zum Brustbein Blasen-, Gallenblasen-, Magen-, Du-Mai-Meridian
Rückwärtsneigung – Beugung des Kopfes zum Himmel Magen-, Gallenblasen-, Blasen-, Ren-Mai-Meridian

 

Auf dem folgenden Bild sieht man die Meridiane des Kopfes aus der Seitenansicht.

 

Beim Schultergelenk können folgende Meridiane betroffen sein:

 

Eingeschränkte Bewegung im Schultergelenk Betroffene Meridiane
Vorwärts- und Aufwärtsbewegung der Arme Dickdarm-Meridian
Seitliches Heben der Arme Dreifacher Erwärmer-Meridian
Arm hinter den Rücken führen Dünndarm-, Lungen-Meridian

Hier sieht man noch einmal bildlich die Meridiane des Kopfes und des Brustbereichs – von vorne und von hinten:

nacken-und-schulterschmerzen-meridiane-oberkoerper

Wie man Nacken- und Schulterschmerzen in der TCM therapiert

Zusammen mit den traditionellen diagnostischen Verfahren haben wir mit dieser genauen Schmerzlokalisation beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie geschaffen. Häufig bietet sich eine Tuina-Massage an. Aber auch Akupressur oder Triggerpunkt-Behandlung können schnell Linderung verschaffen – besonders, weil neben den Meridianen auch Muskeln, Sehnen und Faszien mitbehandelt werden.

Auch ausleitende Methoden können zum Einsatz kommen, vor allem, wenn äussere pathogene Faktoren – wie z. B. Wind mit Kälte – für die Schmerzen verantwortlich sind. Dann helfen Schröpfen, Akupunktur und einige schnelle Tuina-Techniken.

Nach den ausleitenden Methoden können die Meridiane durch Moxibustion erwärmt werden.

Bei einem Stau von Qi und Blut ist die Tuina-Massage in Kombination mit Akupunktur die erste Wahl für einen besseren Fluss.

Häufig sind auch Stress und Emotionen mit im Spiel. Da lohnt es sich dann, den Funktionskreis der Leber anzuschauen. Auch hier kann es nämlich zu einem gestauten Qi kommen, wogegen eine entsprechende Akupunktur gute Wirkung zeigt. Die Tuina-Massage kann hier zusätzlich Beruhigung und Wohlbefinden schaffen.

Weiterhin können verschiedene Kräuter zum Einsatz kommen – vor allem, wenn es zu wiederholten Verspannungen bedingt durch eine Schwäche der Abwehrkräfte kommt. Bei einer Schwächung der Abwehr-Energie wird unser Körper empfindlicher gegenüber pathogenen Faktoren, wie Kälte und Wind. Wenn Kälte und Wind nicht abgewehrt werden, können diese in die oberen Schichten des Körpers eindringen und die Muskulatur blockieren. Daher lohnt es sich, die Abwehrkräfte mit Kräutern aufzubauen.

Was Sie selbst tun können

In den kalten Monaten sollten Sie sich mit der entsprechenden Kleidung gegen Wind, Kälte und Nässe schützen. Wenn es zu wiederholten Verspannungen durch Kälte kommt, kann ich ein wärmendes Öl aus Johanniskraut empfehlen. Dieses wirkt auch entspannend für die Psyche. Vermeiden Sie Durchzug. Sie sollten auch Ihren Arbeitsplatz optimieren. Achten Sie z. B. darauf, dass Ihr Bildschirm auf Augenhöhe ist, sodass Sie nicht ständig den Kopf neigen müssen. Stellen Sie auch Ihren Stuhl auf die richtige Höhe ein. Und achten Sie darauf, dass Sie regelmässig kleine Bewegungspausen einlegen und die Muskulatur mal auflockern und strecken. Nutzen Sie die volle Bewegungskapazität Ihrer Körperteile und Gelenke. Schauen Sie mal zum Himmel und nicht nur aufs Handy. Bewegen Sie Schultern, Ellbogen und Handgelenke mal im ganzen Radius. Suchen Sie auch im Internet nach Dehnübungen, die Sie in Ihren Alltag einbauen können.

„Passt TCM zu mir?“

Die Frage, ob die Traditionelle Chinesische Medizin zu Ihnen passt, können nur Sie selbst beantworten. Aber wenn Sie ein tiefgründiger Mensch sind, sind Sie sicherlich auch offen für eine tief gehende Analyse der Beschwerden. Die TCM liefert Ihnen eine vielschichtige und präzise Anamnese und Diagnose. Daraus resultiert dann eine ganz individuelle Therapie. Sie werden als Patient selbst in den Heilungsprozess involviert und übernehmen so auch selbst Verantwortung für Ihre Gesundheit – und das nachhaltig und ohne Nebenwirkungen.